„Helluva Boss“-Staffel 3: Die Hölle, das ist der Boss – Review zu Folge 4 und 5
Auch in der zweiten Welle der neuen „Helluva Boss“-Folgen geht es drunter und drüber … ob das gut oder schlecht ist, liegt aber stark im Auge des Betrachters.
Gut zu Vögeln? Wohl kaum! Blitzo (l.) behandelt Stolas (r.) schlechter denn je. BILD: Courtesy of Amazon
Meine Damen und Herren, hat Ihr Boss Ihnen jemals vorgeworfen, auf dem Weg zur Toilette noch drei „dick appointments“ einzuschieben? Nein? Mir zum Glück auch nicht (glaube ich zumindest). Ebenjenen Vorwürfen muss sich aber Stolas in den dieswöchigen Episoden von „Helluva Boss“ stellen, und es kann durchaus sein, dass die ein oder andere Träne fließt – zumindest bei Stolas und Blitzo. Meine Augen sind trocken geblieben. Und dafür gibt es ein paar mehr als triftige Gründe …
Staffel 3, Folge 4: „Ein Prozess voller Irrtümer“ („A Trial of Errors“)
Das Schockierendste an „Ein Prozess voller Irrtümer“ ist wohl, dass man das Publikum in den ersten paar Sekunden glauben lassen will, dass der Zuhälter Valentino aus „Hazbin Hotel“ in Blitzos Büro sitzt (tut er nicht). Obwohl das nicht ganz stimmt: Viel schockierender ist eigentlich, dass eine derartig emotional ehrliche Episode in ein solches Gewand des Quatsches gehüllt wird.
Die Belegschaft muss sich ausgerechnet vor Gericht gegen den Nebencharakter Wally Wackford behaupten, was aber vielmehr nur ein metaphorischer Deckmantel für das ist, was Blitzo und Stolas untereinander ausfechten. So kommunizieren sie das erste Mal überhaupt über die verschiedenen Arten und Weisen, wie beide (!) menschlich oder eher dämonisch zu kurz gekommen sind. Und per se findet zwischen dem Duo ein mehr als glaubwürdiger Streit statt, der aber immer wieder vom belämmerten Unterbau einer „Judge Judy“-Kopie unterbrochen wird. Millie und Moxxie haben zu der ganzen Sache nichts beizutragen, müssen aber trotzdem die Handlungen von Blitzo und Stolas für das Publikum einordnen.
Die gesamte Episode kommt zwar in den letzten fünf Minuten noch zu einem recht angenehmen, versöhnlichen und authentischen Schluss, gleichzeitig wirkt aber die gesamte Tatsache, dass alles zwischen Blitzo und Stolas jetzt schon verhandelt wird, sehr überrumpelnd und, ehrlich gesagt, auch etwas zu überhastet. Und absurderweise zeigt die gleich darauffolgende Folge, dass man es auch ganz anders machen kann.
Staffel 3, Folge 4: „Die Auktion“ („The Auction“)
„Die Auktion“ hat im direkten Vergleich zu „Ein Prozess voller Irrtümer“ einen wirklich schönen Unterbau, der mit einem noch schöneren Überbau rund um Stolas ausgeschmückt wird. Ich finde es stets interessant, dass die Hintergrundgeschichten dieser Charaktere immer und immer wieder beleuchtet werden und man immer und immer wieder Neues findet, was man erzählen kann – und dass dies gleichzeitig die fortlaufende Narration bedingt.
Diesmal dreht sich alles um Stolas, der bei einer Auktion seiner Habseligkeiten auf den verflossenen, scharlacharaähnlichen Dämonenprinzen Vassago trifft. Vassagos Rolle in der dritten Staffel war eines der großen Mysterien im Marketing, da er prominent auf dem Poster zu sehen war, aber zuvor nur ein paar Sätze in „Mastermind“ sagen durfte. Nun hört er nicht auf zu reden, was per se nichts Schlimmes ist, aber wenigstens das Singen könnte er sich klemmen.
Das Herzstück dieser Episode soll nämlich ein Duett zwischen Stolas und Vassago sein, das zugegeben die wohl bisher am besten inszenierte Musiknummer der Serie ist, aber das Publikum wie eh und je zwingt, den wohl mittelmäßigsten Song überhaupt ertragen zu müssen. Im Großen und Ganzen ist dieser Umstand aber nicht allzu schlimm, da diese kleine Coming-of-Age-Geschichte, die zwischen den beiden Vogeldämonen erzählt wird, nicht überraschend, aber immerhin berührend ist.
Gleichzeitig verbricht „Die Auktion“ aber auch die Unart, Stolas eine neue potenzielle Love Interest aufzuschwatzen, die schlussendlich nur existiert, um das „Will they? Won’t they?“-Muster künstlich zu verlängern. Andererseits kann es sein, dass die Serie mit den genreüblichen Klischees brechen will, und vorab gewähre ich ihr den Benefit of the Doubt – insbesondere, weil Vassago ein wahrlich spaßiger Charakter ist, der mich aufgrund seines Synchronsprechers Harvey Guillén stets an Perrito aus „Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch“ erinnert.