„Helluva Boss“-Staffel 3: Bitte runter vom Gas! – Review zu Folge 6 und 7

Die Rückkehr von „Helluva Boss“ findet bereits diese Woche schon wieder ihr Ende. Gelingt es dem Halbstaffelfinale, Lust auf mehr zu machen?

Blitzo kann seinen Augen gar nicht glauben – und der Rest des Publikums wahrscheinlich auch nicht. BILD: TDMB

Meine Damen und Herren, einerseits ist es irgendwie cool, dass man in Zeiten des Streamings meist zwei Episoden einer Serie zu sehen bekommt, wenn man mit einer neuen Staffel zurückkehrt. Andererseits ist dieser Umstand aber auch etwas witzlos, denn das führt dazu, dass man wie im Falle von „Helluva Boss“ nun drei Wochen lang mit sieben Episoden versorgt wurde, nur um nach drei Wochen bis nächstes Jahr auf die zweite Hälfte der Staffel zu warten.

Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass in den sozialen Medien zurzeit so viele Personen von der dritten Staffel verärgert sind, dass sich die Frage stellt, ob diese emotional aufgeladenen Seelen überhaupt noch einen weiteren Schritt in die Hölle wagen wollen – so zumindest der Eindruck nach Episode 4 und 5, die in der letzten Woche ausgestrahlt wurden. Bekommen die beiden vorerst letzten Episoden es hin, das Ruder und somit auch die Sympathie für Blitzo, Stolas und Co. herumzureißen, oder kann man froh sein, dass die Charaktere für eine gewisse Weile verschwinden?

Staffel 3, Episode 6: „Rückkehr nach Loo Loo Land“ („Return to Loo Loo Land“)

„Rückkehr nach Loo Loo Land“ ist ein stiller Vorbote dafür, dass Episode 6 und vor allem Episode 7 aus irgendeinem Grund ordentlich Tempo vorlegen – und dabei ganz viel narratives Potenzial liegen lassen, um einfach nur mehr erzählen zu können. Dass mehr aber nicht immer besser ist, beweisen nicht nur die zwei aktuellen Episoden, sondern auch die Armada an Fizzarolli-Robotern, die Blitzo und Fizz das Leben im abgefackelten Loo Loo Land schwer machen.

Irgendwo möchte man davon erzählen, dass Blitzo vielleicht mal Gefühle für Fizz hatte, und gleichzeitig versucht man auch noch zu ergründen, dass sich Fizz nach seinem Workaholic-Dasein nun etwas nutzlos beim Nichtstun fühlt. Doch statt auf diese Dinge einzugehen, klaut man wertvolle Zeit, um eine vollends durchschnittliche vierminütige Musical-Einlage zu inszenieren und zu verdeutlichen, dass man wirklich DEN Alex Brightman vors Mikrofon bekommen hat (der sowieso in jedem Vivziepop-Projekt dabei ist).

Dabei ist der Ansatz, dem Publikum eine Episode anzubieten, die mal fernab von dem gesamten Stolitz-Drama stattfindet, taktisch gar keine unkluge Idee, aber gleichzeitig hätte man darauf achten sollen, dass man überhaupt irgendetwas erzählt. Viele Ereignisse, so wie Loona, die urplötzlich abgestochen wird, passieren einfach und scheinen generell keine großen Auswirkungen auf die Handlung zu haben, sondern dienen viel eher dazu, all das, was man zurzeit ungelenk zusammenschustert, noch irgendwie in Form pressen zu wollen. Ein Umstand, der insbesondere in der nächsten Episode noch ersichtlicher wird …

Staffel 3, Folge 7: „Ja / Nein“ („Yes / No“)

Nachdem letztens das Gerücht kursierte, dass Stolas’ Ex-Frau Stella stark von Beatrice Horseman aus „BoJack Horseman“ inspiriert sein soll, kann man das Gefühl nicht abschütteln, dass „Ja / Nein“ auch Vivienne Medranos augenscheinliche Liebe zu dieser Serie widerspiegeln soll – natürlich ohne jemals die Finesse der Show zu erreichen.

Immer dann, wenn „BoJack Horseman“ Strecke machen musste, aber gleichzeitig trotzdem tiefgehender von seinen Figuren erzählen wollte, hat man stets erfolgreich versucht, Episoden zu schaffen, in denen zwei thematisch gleiche Plotlines parallel stattfinden. „Ja / Nein“ versucht das auch, versteht aber nicht ganz, dass eine thematische Ähnlichkeit nicht automatisch dafür sorgt, dass der Ton zusammenpasst, denn tonal gesehen ist die Folge ein Schleudertrauma der besonderen Art.

Ich verstehe, dass man erzählen will, dass Blitzos Leben nicht sofort besser wird, nur weil er versucht, eine bessere Person zu sein, aber es kommt auch immer auf das Tempo hierbei an. Wenn man versucht, die Episode traurig enden zu lassen, dann sollte sich das aus dem ergeben, was zuvor passiert ist – beziehungsweise sollte zwischen den Ereignissen genügend Zeit vergangen sein. Doch innerhalb von zwei Minuten findet Blitzos Schwester Barbie nicht nur einen neuen Job und kehrt ihrem Bruder den Rücken zu, sondern sorgt auch dafür, dass sich Striker in sie verguckt. Da sie aber kaum Zeit hatte, im Fokus der Episode zu stehen, und sie auch zuvor nur zwei weitere Male in der Serie aufgetaucht ist, wissen wir als Publikum nahezu nichts über sie.

Und diese erzwungenen Motivationen ziehen sich durch alle anwesenden Figuren (außer Blitzo). Stolas und Vassago scheinen sich ernster zu daten, Octavia hatte ihren 18. Geburtstag und sieht vollkommen anders aus, und Striker möchte aus dem Nichts dafür sorgen, dass sich Imps gegen das System auflehnen. In 25 Minuten werden viele große Handlungsentwicklungen einfach aufgelöst oder angestoßen, die zuvor groß thematisiert wurden oder noch nicht absehbar waren. Das ist eine ungelenke Schreibe und lässt gleichzeitig die Frage offen, was man in den restlichen acht Episoden der Staffel noch groß erzählen möchte.

Beide individuellen Handlungsebenen hätten besser funktioniert, wenn man sie auf einzelne Episoden erweitert hätte, aber augenscheinlich war es wichtiger, Fizzarolli eine weitere Folge zu geben, damit Alex Brightman vier Minuten lang singen kann. Verstehe das, wer will.

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„Helluva Boss“-Staffel 3: Die Hölle, das ist der Boss – Review zu Folge 4 und 5