„Helluva Boss“-Staffel 3: Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt der Schmutzfink ganz ungeniert – Review zu Folge 1–3

Blitzo, der beste Boss der Hölle, und seine Rasselbande sind mit neuen Episoden von „Helluva Boss“ zurück. Doch lohnt sich das Einschalten überhaupt noch?

Blitzo und Stolas müssen sich an neue Umstände gewöhnen. Ob das gut geht? BILD: Courtesy of Prime

Meine Damen und Herren, eine Sache, die ich immer wieder fragwürdig finde, ist, wie es sein kann, dass „Helluva Boss“ im direkten Vergleich zu „Hazbin Hotel“ eine so viel besser geschriebene Serie ist, wenn doch beide Serien aus der Feder derselben Person stammen. Klar sind die Songs in „Helluva Boss“ weitaus weniger eingängig als die Nummern aus „Hazbin Hotel“, aber leider ist das eine dieser Situationen, in denen nicht nur der Ton die Musik macht … beziehungsweise die Musik den Ton?

Obgleich nun eine der beiden Thesen stimmen mag, ist „Helluva Boss“ nach dem bittersüßen Ende der zweiten Staffel mit neuen Episoden zurück, und die machen prinzipiell wenig anders – im positiven wie im negativen Sinne.

Staffel 3, Folge 1: „Schildkröten-Emoji“ („Turtle Emoji“)

Wer nicht unbedingt die zweite Staffel von „Helluva Boss“ vor der Premiere der dritten Staffel noch einmal geschaut hat, dürfte wohl zugeben, dass er von Stolas’ Distanz zu Blitzo verwirrt ist. So sieht man zwar in der berührenden Tanzszene auf Blitzos Balkon im Finale der zweiten Staffel, wie dieser Stolas umarmt, aber Letzterer erwidert die Umarmung nicht.

Und prinzipiell ist dieses kleine Detail nun die Ausgangslage für einen der großen Arcs der dritten Staffel: Blitzo ist endlich bereit dazu, sich emotional auf Stolas einzulassen, doch der in Ungnade gefallene Höllenprinz hat ganz andere Probleme. Dennoch sei gesagt, dass sich dieser Umstand schon etwas plötzlich anfühlt. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass die Bewohner und Bewohnerinnen auch nur Menschen sind beziehungsweise menschliche Züge aufweisen. Stolas ist somit nicht nur auf eine Sache reduzierbar und wird auf einen Pfad der Selbstfindung und Schuldaufarbeitung geschickt.

Leider ist der Weg dorthin in der ersten Folge nicht allzu gut gepflastert, denn das gesamte einnehmende Charakterdrama wird in einen nahezu antiquierten Plot über YouTuber verpackt, den irgendjemand augenscheinlich unsäglich lustig fand. So unsäglich lustig sogar, dass mit „I’m Sorry! (Court-Ordered Apology)“ eine nicht enden wollende Musiknummer aufgefahren wird, die in der schier wachsenden Menge der durchwachsenen „Helluva Boss“-Songs darauf hinarbeitet, sich den Titel als schlechtester Song zu verdienen.

Staffel 3, Folge 2: „Schlechter Ruf“ („Bad Reputation“)

Nachdem sich wirklich viele Folgen der Serie zuletzt rund um Stolas und Blitzo drehten, versucht man erneut, die Welt und ihre Nebenfiguren auszuschmücken. In diesem Falle bekommt endlich Millie ihren Augenblick im Rampenlicht, den zuvor schon Blitzo, Moxxie und Fizzarolli bekommen haben.

Und per se wird eine ganz süße Geschichte über das Akzeptieren einer Schwangerschaft gesponnen, die aber bedauerlicherweise im ländlichen Teil des Wrath Rings spielt, der mit seiner western-esken Szenerie meist leider nur Raum für sehr einheitliche Geschichten bietet. So wird etabliert, dass Millie prinzipiell den titelgebenden schlechten Ruf in der ansässigen Gemeinde genießt, wovon aber ehrlich gesagt in der Folge „The Harvest Moon Festival“ aus der ersten Staffel nicht großartig viel zu merken war.

Immer dann, wenn die Folge die Backstory rund um Millies Anfänge als Auftragsmörderin aufmacht, entsteht ein adäquates Maß an Unterhaltung und Spannung, aber jedes Mal, wenn man sich im Hier und Jetzt der Serie befindet, schlafen mir die Füße ein. Darüber hinaus ist Neuzugang Cassity eine absolute Geduldsprobe. Wenn man das jetzt noch mit den mehr als moderaten Songs vermengt, dann wünscht man sich schon fast eher, dass der Karaoke-B-Plot mit Blitzo und Moxxie die eigentliche Handlung der Geschichte gewesen wäre.

Staffel 3, Folge 3: „Gimpie Gimpie“ („Gimpy Gimpy“)

Es kann wahrlich kein dankbarer Job sein, manche „Helluva Boss“-Songs ins Deutsche übersetzen zu müssen. „Mastermind“ zeigte bereits, dass manche deutschen Pendants zu englischen Wörtern, in diesem Falle „Superhirn“, wahrlich albern klingen. Und dasselbe gilt auch für den neuen Stolas-Song „Dirty Bird“, in welchem die zwei Worte durch die Bezeichnung „Schmutzfink“ ersetzt wurden. Vielleicht bin das nur ich, aber ein erotisch aufgeladener Song wirkt weitaus weniger sexy, wenn eines der meistgesungenen Wörter eines ist, das zu Kindern gesagt wird, wenn sie dringend in die Badewanne müssen.

Abgesehen davon bin ich mir etwas unsicher, ob „Gimpie Gimpie“ wirklich sexuelle Offenheit gegenüber Kinks proklamiert oder einfach nur etwas edgy sein möchte. Denn per se ist „Dirty Bird“ nicht wirklich härter, sondern eher anders als Angel Dusts Musiknummer „Poison“ aus „Hazbin Hotel“. Ich finde es zwar interessant, was die Episode mit Stolas als Charakter zu machen versucht, aber wenn man bedenkt, dass diese Entscheidung in nicht einmal zwei Episoden wieder ad absurdum geführt wird, dann wirkt es doch eher so, als würde man einfach gerne anecken wollen – ganz in dem Sinne: Animationsserien für Erwachsene sind nur dann wirklich für Erwachsene, wenn sie auch viel expliziten Sex zeigen.

Zuletzt sei trotzdem gesagt, dass es erfrischend ist, eine Serie zu schauen, die sich immerhin traut, Charaktere, die über einen längeren Zeitraum eher in einem positiven Licht gezeigt wurden, auch an den Pranger zu stellen und sie zu hinterfragen. Leider ändert das trotzdem nichts daran, dass der Beigeschmack bleibt, dass man das Drama zwischen Blitzo und Stolas erzwingen möchte.

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„Helluva Boss“-Staffel 3: Die Hölle, das ist der Boss – Review zu Folge 4 und 5