Manchmal startet eine Horrorreihe derartig schwach, dass so oder so Luft nach oben ist – doch auch „Paranormal Activity 2“ greift nicht unbedingt nach den Sternen.
Bellende Hunde beißen nicht – das weiß auch der Dämon aus „Paranormal Activity 2“. BILD: TMDB
Meine Damen und Herren, kennen Sie das, wenn Sie etwas besser in Erinnerung hatten, nur um dann herauszufinden, dass es wahrscheinlich schon immer schlecht war? Dieses Gefühl musste ich zumindest diese Woche mal wieder erfahren, als ich mich nach meiner zweiten Sichtung von „Paranormal Activity 2“ fragte, wie es sein konnte, dass ich dem Film einst 2,5 Sterne auf Letterboxd gegeben hatte.
Denn wie sich herausstellt, nun, da ich älter und sicherlich auch etwas weiser bin, ist „Paranormal Activity 2“ zwar etwas besser als der Blumhouse-Einstand, aber trotzdem nicht weniger kreativ bankrott, unsäglich öde und allem voran dilettantisch.
Worum geht es in „Paranormal Activity 2“?
Einige Monate vor den Ereignissen von „Paranormal Activity“ folgt man Katies (Katie Featherston) Schwester Kristi (Sprague Grayden), die nach der Geburt ihres Sohnes Hunter bemerkt, dass sich unheimliche Dinge in ihrem Haus abspielen. Ihre Stieftochter Ali (Molly Ephraim) und ihr Ehemann Dan (Brian Boland) zweifeln zwar an den Gerüchten, dass ein Dämon sein Unwesen treiben soll, aber Letzterer lässt trotzdem Kameras installieren, um herauszufinden, was los ist. Was die Kameraaufnahmen jedoch offenbaren, ist deutlich schlimmer als alles, was sich die Familie jemals hätte vorstellen können.
Der perfekte Film für alle, die Filme hassen – und Gimmicks lieben
Per se macht „Paranormal Activity 2“ all das richtig und falsch, was der Vorgängerfilm bereits richtig und falsch gemacht hat … obwohl das nicht ganz stimmt, denn richtig machen beide Filme eigentlich nichts. Erneut könnte man sich hier den Mund darüber fusselig reden, wie schwachsinnig es ist, einen Film zu sehen, der im Found-Footage-Genre spielt, aber nachbereitetes Material zeigt. Dass diesmal sogar Material chronologisch aus verschiedensten Kameras zusammengeschnitten wurde, macht den ganzen Umstand ehrlicherweise nur noch schwachsinniger.
Die große „neue“ Idee, die „Paranormal Activity 2“ mitbringt, ist, dass anstelle einer Handkamera sowie einer festen Kamera nun eine Handkamera plus mehrere feste Kameras zum Einsatz kommen dürfen. Die Idee fand man so großartig, dass man sich immer wieder minutenlang bedeutungsloseste Bilder des Hauses anschauen darf – das gleicht schon mehr einer immersiven Hausvorstellung für potenzielle Käufer und Käuferinnen als einem Horrorfilm. Schade nur, dass ich mir nicht mal in Amerika ein Haus leisten könnte. Warte, ich verliere den Faden … fast so wie die Charaktere in „Paranormal Activity 2“.
50 Minuten bis zum Höhepunkt … und wirklich gut ist der auch nicht
„Paranormal Activity 2“ empfand es scheinbar als Notwendigkeit, den Vorgängerfilm zu übertreffen und einen neuen Negativrekord aufzustellen. Wo „Paranormal Activity“ satte 21 Minuten brauchte, um etwas latent Gruseliges zu inszenieren, macht Teil 2 von seiner Laufzeit Gebrauch und wartet mit dem ersten schaurigen Ereignis bis zur 50(!)-Minuten-Marke auf. Selbstverständlich ist das eine rein subjektive Auffassung dessen, was vielleicht unheimlich wirken mag, aber, um ganz ehrlich zu sein: Sind die sich bis dahin ereignenden Dinge wie herunterfallende Pfannen, ein verwüstetes Haus und ein Hund, der eine Tür anbellt, wirklich so erschreckend?
Viel gruseliger ist tatsächlich die vermeintliche Produktionsgeschichte von „Paranormal Activity 2“. Dass der Film augenscheinlich in den ersten Wochen ohne fertiggestelltes Drehbuch gedreht wurde, merkt man ihm sofort an. Noch absurder ist aber viel eher die Tatsache, dass sowohl Brian De Palma als auch Akiva Goldsman in Gesprächen waren, diesen Flickenteppich zu inszenieren.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht einmal Brian De Palma diese unsäglich uninspirierte Geschichte rund um die klischeehafteste Familie der Filmgeschichte hätte aufwerten können. Der einzige Grund, weshalb „Paranormal Activity 2“ fünf Minuten länger als sein Vorgänger dauert, dürfte damit zusammenhängen, dass man anstelle von zwei Figuren vier Charakteren folgt, die zwar ebenso belanglos wie Micah und Katie sind, aber aufgrund der doppelten Masse auch doppelt so viele uninteressante Ereignisse forcieren. Vielleicht wollte man den einsamen Seelen da draußen mit Szenen, in denen über Fäkalien, Burger King oder Fußnägel gesprochen wird, zeigen, wie Familienleben aussieht – vielleicht hatte man aber auch nicht genug Geld, um einen gruseligen Film zu inszenieren.
Millionen von Fliegen können sich nicht irren
Offengestanden weiß ich nicht, was schlimmer ist: die Tatsache, dass „Paranormal Activity 2“ seinerzeit finanzielle Rekorde brach und unter anderem als „einer der gruseligsten Filme aller Zeiten“ bezeichnet wurde, oder dass dieser Film wahrscheinlich nicht mal ansatzweise das Schlimmste ist, was uns allen noch im Blumhouse Bingo begegnen wird.
Auch wenn „Paranormal Activity 2“ jenseits eines guten Seherlebnisses lag, muss ich dem Film immerhin zugutehalten, dass er erträglicher ist als Teil 1. Das liegt aber einzig und allein daran, dass die Hauptcharaktere bei Weitem nicht so unsympathisch wie Katie und Micah aus „Paranormal Activity“ sind.
Was am Ende des Tages bleibt, ist ein Mahnmal, das wie eine Art Warnung vor mir schwebt, um mir mitzuteilen, dass ich noch nicht vollends in den Abgrund gestiegen bin, mich aber kurz davor befinde, diesen Film zu machen. Ob sich das wirklich bewahrheitet, wird sich aber wohl erst zeigen, je nachdem wie sich „Insidious“ im Rewatch schlägt.