Blumhouse Bingo #1: „Paranormal Activity“ – Kritik

Der Weg zur Hölle ist mit guten Intentionen gepflastert, aber „Paranormal Activity“ beweist, dass aller Anfang manchmal sogar mehr als schwer ist …

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. „Paranormal Activity“ ist nicht der Klassiker, zu dem er immer gemacht wird. BILD: TMDB

Meine Damen und Herren, haben Sie sich jemals gefragt, welcher Film der beste unter dem Banner von Blumhouse Productions ist? Nein? Ich schon. In den letzten nahezu 20 Jahren hat diese Produktionsgesellschaft in etwa über 160 Filme produziert, die sich mal positiver Kritik, aber weitaus häufiger negativer Resonanz ausgesetzt sehen. Aber genau diese Ambivalenz macht den Charme der Blumhouse-Produktionen aus. Man weiß häufig, was man bekommt, aber es kann sein, dass sich hier und dort ein Film versteckt, der mit unerwarteten Qualitäten aufwartet.

Der erste Film unter dem Blumhouse-Banner hat aber leider keine unerwarteten Qualitäten im Gepäck und beweist, dass Blumhouse heutzutage auch nur dort ist, wo man ist, weil die Ansprüche im Jahr 2007 deutlich niedriger waren. Wieso ist „Paranormal Activity“ der wohl schlechtmöglichste Einstieg in den Blumhouse-Kosmos?

Wohl eher paraunterdurchschnittliche Aktivitäten

Man weiß wirklich, dass man es mit einem Stinker zu tun hat, wenn das größte Kompliment, das man für „Paranormal Activity“ noch aussprechen kann, ist, dass der Film immerhin die Güte hat, nach 84 Minuten zu enden. Obwohl, das stimmt nicht ganz: Schaut man den Film zurzeit (Stand: 27. Oktober 2026) auf Amazon Prime Video, dann bricht der Streifen tatsächlich vor dem letzten großen „Scare“ ab und möchte einem schon den nächsten unterdurchschnittlichen Horrorfilm andrehen. Andersherum wäre es tatsächlich besser, denn die letzten paar Minuten von „Paranormal Activity“ sind tatsächlich die einzigen sehenswerten des Films.

Denn prinzipiell ist das größte Kardinalsverbrechen, das der Blumhouse-Einstand begeht, dass „Paranormal Activity“ ein unsäglich ungruseliger Film ist. Das mögen viele Leute vielleicht anders sehen, aber diese müssen „Paranormal Activity“ dann das letzte Mal im Jahr 2007 gesehen haben, denn anders kann ich mir das nicht erklären. Hier und dort bewegt sich mal die Schlafzimmertür (wer schläft überhaupt mit offener Tür?), mal rascheln die Pflanzen, der dümmliche Dämon verteilt Mehl im Haus und das Ouija-Brett geht in Flammen auf. Vielleicht war das im Jahr 2007 bahnbrechend, aber heutzutage ist nicht mehr viel davon zu spüren.

Hat hier irgendwer seine Hausaufgaben gemacht?

Der Grund, weshalb „Paranormal Activity“ überhaupt der erste Blumhouse-Film ist, hängt damit zusammen, dass sich Jason Blum unsäglich darüber ärgerte, dass er niemals den Zuschlag für „Blair Witch Project“ (1999) bekommen hatte. Also sicherte er sich seinen eigenen Found-Footage-Horrorfilm – augenscheinlich in der Hoffnung, viel Geld damit zu machen, denn Liebe für das durchaus großartige Found-Footage-Genre kann es nicht gewesen sein.

Found Footage ist nicht nur billig zu produzieren, sondern räumt auch das Recht ein, in gewissen technischen Aspekten möglichst faul zu sein. Immerhin impliziert der Genrename ja, dass das Material gefunden wurde. Im Falle von „Paranormal Activity“ scheint das aber niemand verstanden zu haben, denn Micahs Material ist über weite Strecken geschnitten. Damit meine ich nicht, dass Micah gelegentlich die Kamera ausschaltet und später wieder anschaltet, sondern vielmehr, dass lange Momente mittendrin geschnitten werden oder Abblenden stattfinden. Das ist zuweilen ziemlich quatschig, denn das impliziert ja, dass die Person, die das Found Footage gefunden hat, das gefundene Material noch einmal extra nachbearbeitet hat. Das bricht mit der Immersion – auch wenn man eingestehen könnte, dass „Paranormal Activity: The Ghost Dimension“ (2015) Jahre später eventuell eine Antwort darauf parat hat. Das ändert trotzdem nichts daran, wie stümperhaft dieser Film ist.

Blah Blah Blah

Fast noch schlimmer sind aber die beiden Hauptfiguren Micah und Katie, denen man über die nicht enden wollenden 84 Minuten kontinuierlich dabei zusehen muss, wie sie beweisen, dass sie nicht zueinander passen. Man wird vollends in das Beziehungsdrama zwischen den beiden eingespannt, aber mich hat im Vorfeld niemand gefragt, ob ich das wirklich will – oh nein, wie gruselig!

Man baut zwar in der strammen Laufzeit schon eine verhältnismäßig große Lore auf, an der sich spätere „Paranormal Activity“-Teile noch bedienen werden, aber gleichzeitig wird so viel Fokus auf Katie und Micah gelegt, dass der Grusel vollends und absolut zu kurz kommt. Wer nicht unbedingt herunterfallende Schlüssel gruselig findet, muss bis zur 21. Minute des Films warten, bis die Tür nachts mal für ein paar Sekunden wackelt. Ich kann mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen … warte, doch! Es ist deutlich schlimmer, „Paranormal Activity“ zu schauen.

„Paranormal Activity“: Wegweisend, aber wohin überhaupt?

Was man „Paranormal Activity“ lassen muss, ist, dass der Film immerhin ein fairer Einstieg in die große Blumhouse-Welt ist. Ebenso wie viele kommende Filme ist auch dieser billig produziert, in der Hoffnung, viel Geld umzusetzen. Leider bedeutet das aber auch, dass man einen sehr bescheidenen Anfang aufgeboten bekommt, der darüber hinaus noch sechs weitere Fortsetzungen nach sich ziehen soll.

Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass „Paranormal Activity“ am Ende dieser langen, langen Reise durch den Blumhouse-Katalog unter den zehn schlechtesten Filmen der Liste sein wird – und wenn nicht, kann man sich sicher sein, dass auch ich von einem Dämon heimgesucht wurde.

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