Cagematch #1: „Fast Times at Ridgemont High“ – Hier gibt es Nic(hts) zu sehen

Manchmal haben auch die kleinsten Auftritte große Auswirkungen – bedeutet das trotzdem, dass man sich für eine Nicolas-Cage-Retrospektive „Fast Times at Ridgemont High“ anschauen sollte?

„Oh, gnarly!” Ausgerechnet Sean Penn läutet „The Age of Cage“ ein. BILD: TMDB

Meine Damen und Herren, am Ende des Tages ist „kretzercorner“ nicht nur ein Ort, an dem ausgiebig über Filme und Serien gesprochen wird, sondern auch eine Oase für all jene, die Nicolas Cage ebenso verehren wie ich. Das ist zwar ein Satz, der mir noch auf die Füße fallen könnte, denn wer weiß, ob dieser Mann nicht auch die eine oder andere Leiche im Keller hat, aber bis sich das offenbaren sollte, möchte ich ebenso wie bei Blumhouse und A24 klären, welcher Nic-Cage-Film eigentlich der beste ist.

Hierbei gilt aber eine wichtige Regel: Statt festzulegen, in welchem Film Cage am besten spielt, möchte ich wirklich ergründen, welcher Film in der regelrecht umfangreichen Filmografie von Cage das Nonplusultra ist – ungeachtet dessen, wie viel Cage schlussendlich in dem Streifen enthalten ist. Jetzt könnte man zwar urteilen, dass dieses Unterfangen bei Filmen wie „The Flash“ absoluter Quatsch ist, aber glaubt hier wirklich irgendjemand, dass „The Flash“ das Highlight der Nic-Cage-Filmografie ist? Apropos Highlight: „Fast Times at Ridgemont High“ ist definitiv eines, wird höchstwahrscheinlich aber auch nicht die Nummer 1 des Cage-Rankings werden.

Wovon handelt „Fast Times at Ridgemont High“?

Man folgt dem Leben verschiedenster Highschooler, die sich verlieben, streiten und liebend gerne den einen oder anderen Joint rauchen. So zumindest Jeff Spicoli (Sean Penn), der mit seiner lockeren Art ein Dorn im Auge des Geschichtslehrers Mr. Hand (Ray Walston) ist. Und auch Stacy (Jennifer Jason Leigh) hat es nicht einfacher, denn sie merkt schnell, dass Männer meist das eine, aber nicht das andere wollen. Zuletzt wäre da noch Stacys Bruder Brad (Judge Reinhold), der sich aufgrund seiner vielen, ständig wechselnden Nebenjobs wie ein Versager fühlt.

Fast times, indeed – und lustig sind sie auch noch!

Ach, Cameron-Crowe-Projekte: Kennt man eines, kennt man sie alle („Aloha“ ausgenommen). Streng genommen muss man aber im Falle von „Ich glaub’, ich steh’ im Wald“, wie „Fast Times at Ridgemont High“ auf Deutsch heißt, erwähnen, dass der Film lediglich auf einem Buch von Cameron Crowe basiert, das anschließend von der späteren „Clueless“-Regisseurin Amy Heckerling verfilmt wurde.

Als Ergebnis dieser Kollaboration hat das Publikum tatsächlich einen sehr kurzweiligen, aber nicht minder genießenswerten Coming-of-Age-Film bekommen, der vor allem in puncto Humor punktet (get it?).

Gewissermaßen ist hier für alle etwas dabei. Wer ein bisschen Rumgeknutsche und Soft-Erotik sehen will, bekommt das im Handlungsstrang von Jennifer Jason Leigh geboten, während ausgerechnet Sean Penn für den Humor zuständig ist. Was sofort auffällt, ist, dass Penn einfach schon immer großartig war und stets versteht, wie viel Humor in seinen Figuren stecken sollte. Jeff Spicoli wird zwar als Hauptfigur des Films vermarktet, aber viel eher birgt seine Rolle den Hannibal-Lecter-Effekt. Sprich: Man setzt Spicoli gezielt und nur sparsam ein, um den daraus resultierenden Vignetten rund um ihn und Mr. Hand mehr Gravitas zu verleihen.

Mr. Hand (Ray Walston, r.) tut sich schwer, Spicoli (Sean Penn, l.) auf Augenhöhe zu begegnen. BILD: TMDB

Ray Walston ist in dieser Hinsicht ein mehr als dankbarer Gegenspieler im Verbaltennis für Sean Penn. Und dass eine Non-Nonsens-Mentalität neben einer vollends Nonsens-Mentalität fantastisch funktioniert, beweist vor allem das Ende der gemeinsamen Geschichte, in dem sich Mr. Hand entschließt, Spicoli nun seine Zeit zu rauben.

Nett gemeint oder doch eher rückständig?

Inmitten des gesamten Humors findet aber eigentlich eine Geschichte über die sexuelle Erfahrung einer 15-Jährigen Anfang der 1980er statt. Und per se spaltet dieser Teil der Handlung doch etwas. Denn einerseits reden Frauen hier wirklich nur über Männer und Sex, was 1982 nicht unbedingt stilistisch unüblich war, aber gleichzeitig will man auch gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen.

Eines dieser Themen ist Abtreibung. Man versucht, sich damit nobel und fortschrittlich auseinanderzusetzen, aber am Ende des Tages passt diese plötzliche Ernsthaftigkeit überhaupt nicht in den lockeren, sexualisierenden Ton, der sich in der vorherigen Stunde über den Film gelegt hat. So entsteht eine Dissonanz, in der man einerseits die damals 20-jährige Jennifer Jason Leigh nackt in den verschiedensten Situationen zeigt, während die Männer höchstens ihr Oberteil ausziehen müssen – von der Verharmlosung von Grooming ganz zu schweigen. Klar, diese Themen hatten 1982 nicht unbedingt den höchsten Stellenwert, aber eigentlich sollte man meinen, dass eine Person, die die Bedeutung von Abtreibungen versteht, auch verstehen müsste, dass Sexualisierung und Grooming unangebracht sind.

Ein Produkt seiner Zeit … das Spuren von Cage enthält

Per se ist „Fast Times at Ridgemont High“ immer dann am besten, wenn der Film versucht, eine Komödie und kein Melodrama zu sein. Das mag aber nicht nur am dissonanten Ton der sexuellen Ebene liegen, sondern auch daran, dass die deutlich besseren Schauspieler im humoristischen Teil vertreten sind.

Jennifer Jason Leigh holt zwar das meiste aus ihrem schmalen Charakter heraus, aber Judge Reinhold beweist, dass er schon immer mehr Charisma als wirkliches Talent hatte – was sehr schade ist, denn eigentlich ist sein Handlungsstrang rund um einen Schüler, der sich langsam in der erwachsenen Berufswelt orientieren muss, gar nicht uninteressant.

Umso ärgerlicher ist es, dass ursprünglich Nicolas Cage Reinholds Part spielen sollte, schlussendlich aber zu jung für die Rolle war. Was nicht wirklich Sinn ergibt, da Cage scheinbar trotzdem alt genug war, um einen von Brads Freunden zu spielen. So oder so bleibt am Ende ein Film, der nicht unbedingt eine große schauspielerische Werbung für Nicolas Cage ist, aber trotzdem ausreichte, um nicht nur ihm, sondern auch Cameron Crowe den Weg nach Hollywood zu ebnen. Leider führte Cages Weg zunächst in die Arme eines Valley Girls …